Neumarkter Tagblatt vom 05.08.1996

Ein Blick in die "gute alte Zeit"

Zum 7. Male großes Treffen in Mühlhausen I Rundfahrt durch das Landl

Von Jürgen Sippel

MÜHLHAUSEN. Aus weiten Teilen Bayerns kamen die Besucher gestern zum 7. Oldtimer-Treffen.
Chromblitzend und frisch poliert standen in Reih und Glied, dicke Limousinen einträchtig neben flotten Sportflitzern und ganz alten Autos aus Opas Zeiten. Tradition und, Nostalgie - die Freunde klassischer Oldtimer kamen auf ihre Kosten.
Das Treffen zählt, freute sich Organisator Manfred Schreiner mittlerweile zu den bedeutendsten und größten in ganz Bayern.
Insgesamt kamen rund 300 alte Fahrzeuge und einige tausend Besucher.
Einer der Gründe für die große Popularität des Oldtimer-Treffens ist die Vielfalt der teilnehmenden Fahrzeuge.
Obwohl die Oldtimer zum Teil schon mehr als 80 Jahre auf dem Blechbuckel haben, präsentierten sich die Oldies durchwegs noch in bester Verfassung.
Jung und alt gerieten beim Anblick der Prachtstücke ins Schwärmen.
Bei den alten Traktoren bestaunten nicht nur Landwirtschafts"Experten Lanz, Hanomag, Porsche, Ferguson, MAN, Holder, Deutz, Güldner, Hatz, Pioneer, Zetor oder ein wertvolles Diesel-Roß.
Die alten Traktoren waren in unzähligen Stunden Arbeit restauriert worden.
Ein Besitzer: "So ein altes Vehikel schließt man richtig ins Herz!"

Auch die "Kleinen" kamen sich bei der Schau ganz groß vor.

Bei den Motorrädern gab es eine Vielzahl von Raritäten zu sehen, alle fahrbereit.
Zu den Besonderheiten bei den Gespannen zählten eine "India" aus dem Jahre 1941 und ein altes Wehrmachtsgespann von 1940.
Dicht umlagert bei den Autos waren alte US-Cars wie Chevrolet oder Chrysler Cabrio. Blitzblank poliert standen sie da.
Absolute Glanzstücke: die Nostalgie-Wagen, wie ein Essex, Baujahr 1926, ein BMW AM 4, der alte Opel P 1 und ein Ford A, Baujahr 1929.
All die schönen Fahrzeuge beteiligten sich am Oldtimer-Corso und der anschließenden großen "König-Ludwig-Rundfahrt" durch das Landl.

Wahre Prachtstücke aus Opas Zeiten konnten auf der großen Wiese neben dem Kirchweih-Platz bewundert werden.


Neumarkter Nachrichten vom 05.08.1996

Autos zogen Massen an

Drei Kategorien: Traktoren, Autos und Motorräder / Landrat Löhner kam
MÜHLHAUSEN
- Auf Opa's Spuren: Auch die siebte Auflage des Mühlhausener Oldtimer-Treffens war wie der ein Publikumsmagnet.
Rund 15 OOO, Besucher kamen in die Sulzgemeinde, um mehr als 300 klassische Kraftfahrzeuge zu bewundern.
Die Fahrzeuge waren in drei Kategorien aufgeteilt: Motorradraritäten, liebevoll gepflegte Autos und alte Traktoren buhlten um die Gunst des Publikums

Den Mühlhausener Oldtimerfreunden war es wieder gelungen, ein breites Spektrum alter Fahrzeuge in den Landkreis Neumarkt zu locken.
Daß die Oldtimerfreunde keinesfalls zum alten Eisen gehören, zeigte sich bei der König-Ludwig-Rundfahrt.
Auf den Spuren von Ludwig I, der1830 die Gemeinde Mühlhausen besucht hatte, waren die die betagten Fahrzeuge unterwegs. Der Corso führte zunächst durch Mühlhausen, ehe es anschließend "über Land" durch das Land'l ging.
Erstmals gab mit Albert Löhner der Landrat den Startschuß für die Tour
Landrat besichtigte Fuhrpark
Löhner besichtigte zuvor ausgiebig den Fuhrpark. Von Veranstaltungsleiter Manfred Schreiner ließ er sich in die Geheimnisse der alten Fahrzeuge einweihen.
Auch ein durchaus schmucker alter Wartburg war zu bewundern. "So ein Auto konnten sich früher nur die Parteibonzen leisten" , erklärte Schreiner.
Noch heute das Stück einen stolzen Preis - für 15000 Mark ist der Wartburg zu erwerben
Löhner hatten es besonders die alten VW-Käfer angetan. "Mein erstes Auto war auch ein Käfer. Die Technik damals so. einfach, daß ich fast alle Reparaturen selber durchführen konnte", erzählte der Landrat."
Beeindruckt, zeigte sich der Politiker auch von den amerikanischen ModelIen. Besonders den General Motors, Caddy-Cabrio, Serie 62, betrachtete er aufmerksam.
"Mit seiner Rammstoßstange würde er sich gut als Dienstwagen eignen" scherzte Löhner Ob er dabei an Parteifreunde oder politische Gegner aus anderen Lagern dachte, blieb offen.

Mit einem gemütlichen Dixieland-Frühschoppen stimmten sich die OIdtimer- Freunde auf das Treffen, das mittlerweile zum größten in der Region avanciert ist, ein.
Mühlhausens Bürgermeister Anton Galler gab 1990 den Anstoß zu der Veranstaltung.
Daß Oldtimer ein Hobby für jung und alt sind, zeigt der Teilnehmerkreis: Der 89jährige Johann Söllner ließ es sich nicht nehmen, mit seinem Express Motorrad, Baujahr 1958; von. Velburg nach Mühlhausen zu "biken".
Zu Hause bevorzugt der älteste Teilnehmer.aber allerdings sein Mofa. Damit fahre ich in den Wald zum Jagen", berichtet der rüstige Senior.´
Viele Oldtimer-Sammler sind dagegen jünger als ihr Gefährt. Mich fasziniert es, hautnah nachzuvollziehen, wie unsere Großeltern früher in den Urlaub gefahren sind, erklärt Bernd Deuerler seine Begeisterung für alte Autos.
Sein ganzer Stolz ist ein Messerschmitt; KR 250 Cabrio.
Das RollermobiI dürfte vielen Älteren noch ein Begriff sein.
Fast wie im Flieger, beschreibt der 29jährige Deuerler seine Fahr-Leidenschaft. Unverkennbar stammt das in Regensburg gebaute Gefährt aus der Hand eines Flugzeugkonstrukteurs und erfreute sich auch unter ehemaligen Fliegerpiloten großer Beliebtheit.
Nächstes Jahr wird mein Oldtimer 40 Jahre und ich feiere sich in die 30. Geburtstag", freut sich der Freak schon jetzt
Während das Messerschmitt Cabrio nur" 90 Stundenkilometer erreicht, gab es auch schnellere Flitzer zu bewundern - beispielsweise einen Lamborghini Espada GT 400, einst "der schnellste Viersitzer der Welt".
Neben den deutschen und italienischen Modellen, finden' immer mehr Ost-Oldtimer den Weg über die einst geschlossenen Grenzen - auch in Mühlhausen -. war dieser, Trend unübersehbar.
"Osteuropäische Wägen und Motorräder freuen sich momentan großer Beliebtheit, weiß Veranstalter Schreiner.

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